Lebacher pflegen für den Volksbund Kriegsgräber aus dem 1. Weltkrieg auf dem Sammelfriedhof in Consenvoye an der Maas

Zwei Niedersaubacher Freunde haben in Kameradengräbern wieder zueinander gefunden

Consenvoye liegt etwa 12 km nördlich von Verdun an der Maas. Das idyllische Dörfchen mit ca. 300 Einwohnern ist im September 1984 weltweit bekannt geworden, als sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Staatspräsident Francois Mitterrand zur Versöhnung die Hände reichten.

Eine Erinnerungstafel auf diesem deutschen Soldatenfriedhof erinnert an dieses historische Ereignis:

Auf diesem deutschen Soldatenfriedhof trafen sich zum ersten Mal in der Geschichte der beiden Völker der französische Staatspräsident und der deutsche Bundeskanzler. Sie legten im gemeinsamen Gedenken an die Toten beider Weltkriege Kränze nieder und erklärten: „Wir haben uns versöhnt, wir haben uns verständigt, wir sind Freunde geworden.“

Die Lebacher Arbeitsgruppe des Volksbundes DEUTSCHE KRIEGSGRÄBERFÜRSORGE hatte es in diesem Sommer am Vorabend des 100. Jahrestages des Ausbruchs des 1. Weltkriegs am 1. August 1914 übernommen, diesen deutschen Soldatenfriedhof zu pflegen. Der Friedhof wurde bereits von den Franzosen 1920 angelegt, um die vielen deutschen Gefallenen, die im Maastal, in und um Verdun und im Argonnerwald umkamen, auf einem zentralen Friedhof zu bestatten. Noch bis in den 2. Weltkrieg hinein wurden sterbliche Überreste von deutschen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg hier bestattet. Man fand sie auf den Feldern und in den Wäldern der Argonnen, die wahrlich blutgetränkt sind. Ebenso wurden kleinere Soldatenfriedhöfe aufgelassen.

consenvoye-2014

Fotos (alle Rechte sind ihm vorbehalten): Leo Willms!

Diesen Friedhof im für die deutsch-französische Freundschaft so bedeutsamen Dörfchen Consenvoye hatten sich die Lebacher bewusst ausgesucht, weil sich im Vorfeld herausgestellt hatte, dass auch 2 Niedersaubacher Gefallene hier bestattet sind. Es handelt sich um Johann Schmitt und Johann Heinrich, 2 Freunde, welche im gleichen Regiment (dem 67. Infanterieregiment, das in Metz stationiert war), aber in unterschiedlichen Kompanien dienten. Schmitt und Heinrich wuchsen miteinander auf, wohnten einander unmittelbar gegenüber, keine 12 m voneinander entfernt, gingen miteinander zur Schule und wurden gleich zu Kriegsbeginn als Reservisten in das so genannte Argonnerregiment eingezogen. Wir wissen einiges über die beiden Freunde, weil sie mit ihrem alten Dorfschullehrer in regem Briefkontakt standen und ihre schrecklichen Erlebnisse in diesem „finsteren Wald“ mitteilten. Schmitt fiel bereits im November 1914 im Alter von 24 Jahren; Heinrich besuchte sein Grab noch einige Male, bis er selber im Alter von 25 Jahren im Februar 1915 umkam.

Durch einen unglaublichen Zufall sind nun beide Freunde im Tod wieder so vereint worden, wie sie in ihrem Dorf Niedersaubach gelebt hatten, nämlich nicht mehr als 12 m einander gegenüber, nun in Kameradengräbern bestattet.

Die Geschichten der Gefallenen des 1. Weltkriegs aus Niedersaubach (42 junge Leute sind ausgezogen und 16 kamen nicht zurück) sind nachzulesen unter: www.unser-niedersaubach.de.

Der Lebacher Arbeitsgruppe war es nun aufgetragen, Kreuze zu richten, die Namen und die Todesdaten der Gefallenen wieder sichtbar herauszuschleifen und die Gedenktafeln der Kameradengräber zu streichen (eine Aufgabe, die im nächsten Jahr erst zu Ende gebracht werden kann). Außerdem war das Pflaster vor der Gedenktafel, wo Kohl und Mitterrand sich die Hände reichten, auszuheben und neu zu setzen.

Das Dörfchen Consenvoye hat die Lebacher übrigens sehr freundlich aufgenommen. Man wird deshalb mit einer größeren Besuchergruppe aus Niedersaubach, begleitet von 6 Lebacher Fallschirmjägern unter Führung ihres Kommandeurs OTL Markus Meyer, am 19. Juli erneut aufbrechen, um zunächst die deutschen und französischen Stellungen bei Varennes im Argonnerwald zu besichtigen, um dann etwa 20 km hinüber an die Maas zu fahren, um der Gefallenen zu gedenken. Die Niedersaubacher werden, unterstützt durch den Consenvoyer Bürgermeister, an der historischen Gedenktafel zur Versöhnung über den Gräbern einen Kranz niederlegen und die französische und die deutsche Hymne singen. Im Anschluss wird man sich zu den beiden Niedersaubacher Freunden begeben, um aus ihren Briefen aus dem Argonnerwald zu hören und an ihren Gräbern Blumen niederzulegen. Zum Schluss wird ein Trompeter das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden!“ spielen.

Der Besuch in Consenvoye wird der Auftakt von weiteren Erinnerungsveranstaltungen sein, die in diesem Jahr in Niedersaubach begangen werden: Die gefallenen Söhne des Dorfes sollen nicht vergessen werden!

losch

P.S.:

Hier sind die Schicksale der Niedersaubacher Gefallenen nachzulesen (auch die von Johann Heinrich und Johann Schmitt)!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.