Auf der Suche nach dem Grab eines ehemaligen Zwangsarbeiters

Russin möchte herausfinden, wo ihr Großvater bestattet wurde

Ein Bericht in der Saarbrücker Zeitung im Regionalteil Dillingen von Dieter Lorig vom 22.09.2014 auf Seite C5

Dieter Lorig hat als Mitglied des Historischen Vereins Nalbach auf Umwegen über die Stadt Dillingen, die Stadt Lebach und die Gemeinde Nalbach von einer russischen Frau aus Wladiwostok eine Anfrage erhalten, die ihren Großvater betrifft; er war als Kriegsgefangener in unserer Gegend interniert. Unter welchen Umständen er umkam und wo er beerdigt wurde, war bisher nicht herauszufinden.

In diesem Kontext ist die Frage aufgetaucht, ob es in Zollstock in dem ehemaligen RAD-Lager (RAD ist die Abkürzung für Reichsarbeitsdienst) später ein Internierungslager für osteuropäische Kriegsgefangene, die zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden, gegeben hatte. Heute wird das Gelände von der Reservistenkameradschaft Lebach als Vereinsplatz genutzt und trägt den Namen ihres langjährigen, bereits verstorbenen Vorsitzenden: Helmut-Dittrich-Platz.

Der Eingang zum Arbeitslager Zollstock auf dem Hoxberg. Legende nach Dieter Lorig. Foto: HVL

Der Eingang zum Arbeitslager Zollstock auf dem Hoxberg. Legende nach Dieter Lorig. Foto: HVL

Die Nachfrage bei Älteren ergibt keine eindeutige Hinweise darauf, ob nun tatsächlich der Hoxberg, auf dem vor dem 2. Weltkrieg rückwärtige Teile des Westwalls errichtet wurden, später als Internierungslager benutzt wurde. Wir hoffen, hierüber durch die Recherche der Historikerin Dr. Inge Plettenberg mehr erfahren zu können.

Hier nun kann der Artikel von Dieter Lorig im PDF-Format heruntergeladen werden, wozu er uns ausdrücklich ermächtigt hat. Natürlich bleiben ihm alle Rechte am Text und den eingefügten Bildern vorbehalten.

Lothar Schmidt

P.S.:

Dr. Inge Plettenberg hat zwar die Frage der Zwangsarbeiter in der Saargegend, ausdrücklich nicht aber die in Lebach recherchiert. Sie gibt aber die folgenden Hinweise und ist zuversichtlich, dort Näheres über den Gesuchten zu finden:

„Sehr geehrter Herr Schmidt, leider habe ich zu Lebach keine Unterlagen. Unser Buch ‚Feind schafft mit…‘ (1992) [Dieses Buch kann in der Lebacher Stadtbibliothek ausgeliehen werden. L. Sch.] nennt im Lager-Anhang unter Lebach ein Lager ‚Dillinger Straße‘ und eines in den ehemaligen Kasernen, wo nach Kriegsende ca 8000  ‚Displaced Persons‘ zusammengefasst wurden; dabei müsste es sich um die Kasernen des späteren Bundeswehr-Standortes gehandelt haben. Oder, wie Sie sagen, um die ehemalige Hermann-Göring-Kaserne? Das kann ich nicht definitiv sagen, denn zu Lebach habe ich seit unserem Buchprojekt nicht recherchiert. Ich empfehle Ihnen, im Landesarchiv Saarland im Bestand Ministerium des Inneren nach den Lebacher Gräberlisten zu suchen (Nummer irgendwo zwischen 531 und 535); möglicherweise findet sich da auch der verschollene Großvater. Außerdem könnten Sie nachfragen beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Arolsen (s. Internet-Seite); dort werden die nach dem Kriege(1946/47)  auf Weisung der Amerikaner bzw. Franzosen angelegten Namenslisten der ‚Angehörigen der Vereinten Nationen, die zwischen dem 2.9.1939 und dem 9.5.1945‘ in Lebach gearbeitet haben, aufbewahrt. Es wird sicherlich möglich sein, von diesen Listen, die nach Kreisen, Orten und Staatsangehörigkeit /Nationalität geordnet sind, eine digitale Kopie zu erhalten. Sollte es in Lebach ein Stadtarchiv geben, könnten sich dort evtl. Teile dieser Listen befinden. Die Ausländerinnen  wurden seinerzeit vom Bürgermeisteramt erfasst und an die Kreisverwaltung weiter gemeldet. Diese reichte die Daten an die saarländische Verwaltungskommission, Abteilung Inneres, bzw. das saarländische Innenministerium weiter. Erfasst wurden nicht nur die Menschen mit Namen etc., sondern auch Grabstätten, insbesondere Massengräber außerhalb der Gemeindefriedhöfe. Dass ein RAD-Lager zum Zwangsarbeiterlager, v.a. zum „Ostarbeiter“-Lager wurde, war nahezu unvermeidlich. Bei den mir bekannten RAD-Lagern ist es immer der Fall gewesen. Insbesondere ab Herbst 1944 fand diese ‚Umwidmung‘ statt, als für die Zehntausende in der Region zum ‚Schanzen‘  zusammengezogenen Menschen (Deutsche und Ausländer) in kurzer Frist Massenunterkünfte zu beschaffen waren. Als um die Jahreswende 1944/45 aus dem besetzten Gebieten Lothringens und dem saarländisch-französischen Grenzgebiet die  Kriegsgefangenen und zivilen Zwangsarbeiter vor den herannahenden Amerikanern ins ‚Reichsinnere“ weggeschafft wurden, dienten die Barackenlager des RAD ebenfalls als Massenquartiere für die ‚Evakuierten‘.  Die National Collection of Aerial Photography in Edinburgh (NCAP), in der Sie online recherchieren können, hat möglicherweise Luftbilder von Lebach (von der Luftaufklärung hergestellt), in der die Lager deutlich zu sehen sind. Für die Suche müssten Sie ca. 40 britische Pfund investieren; im digitalisierten und online gestellten Bestand können Sie dann in die evtl. gefundenen Fotos hineinzoomen. Sollte es Fotos geben, die noch nicht digitalisiert sind, können Sie diese ermitteln und scannen lassen. Das kostet Gebühren, … . Sie bekommen gestochen scharfe, hochauflösende Fotos. In der Webseite der NCAP rufen Sie TARA auf und geben den Suchbegriff Lebach ein, dann sind Sie ganz schnell bei den evtl. vorhandenen digitalisierten Bildern. – Mehr Informationen habe ich zu Lebach leider nicht. Viel Glück bei der weiteren Suche!“

SZ Dillingen vom 20. Septermber 2014, S. C6, Dieter Lorig: Kontroverse Diskussionen über Lager Zollstock

SZ Dillingen vom 20. Septermber 2014, S. C6, Dieter Lorig: Kontroverse Diskussionen über Lager Zollstock

Dieter Lorig hat am 30. September 2014 einen weiteren Artikel in der SZ, Ausgabe Dillingen (S. C6), veröffentlicht: „Kontroverse Diskussionen über Lager Zollstock“. Er steht hier zum Download bereit (alle Rechte am Text und Bildern vorbehalten: Dieter Lorig).

Ein Gedanke zu „Auf der Suche nach dem Grab eines ehemaligen Zwangsarbeiters

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    in dem Büchlein „Die Jugendzeit eines Pfälzers“ beschreibt der Autor Richard Neubrech u. a. seine RAD-Zeit in Lebach von Juni bis Mitte September 1944. Ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, daß in der knappen Zeit zwischen September 1944 und „Befreiung“ durch die Amerikaner die erwähnten Fremdarbeiter im RAD-Lager untergebracht wurden.

    Beste Grüße

    K. Otter / Westmark-Archiv

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