{"id":2463,"date":"2015-11-30T23:59:37","date_gmt":"2015-11-30T22:59:37","guid":{"rendered":"https:\/\/hv-lebach.de\/?p=2463"},"modified":"2016-03-31T09:21:54","modified_gmt":"2016-03-31T07:21:54","slug":"buchbesprechung-von-klaus-feld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hv-lebach.de\/?p=2463","title":{"rendered":"Buchbesprechung von Klaus Feld"},"content":{"rendered":"<h1>Inge Riedel. Die Einwohner von Lebach vor 1815. Saarlouis 2015<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Mit seinem Buch \u201eFamilien in der katholischen Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und St. Marien Lebach 1703 1797\u201c hatte Gerhard Storb 1986 Pionierarbeit in der Familienforschung geleistet. Das Werk war nach knapp 30 Jahren allerdings nicht mehr auf einem aktuellen Stand. Durch die zahlreichen Familienb\u00fccher in den Nachbargemeinden wurden viele weitere Familienbeziehungen offen gelegt. Daher ist das neue Buch von Inge Riedel, Die Einwohner von Lebach vor 1815, Saarlouis 2015, zu begr\u00fc\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Umfang des Familienbuches wurde gegen\u00fcber Storb durch die Einbeziehung von Falscheid und Eidenborn deutlich ausgeweitet. Auch hat man alle Patenschaften aus den Lebacher Kirchenb\u00fcchern eingef\u00fcgt und damit ein deutliches Defizit des Buches von Storb beseitigt. Zus\u00e4tzlich wurde die umfangreiche Sekund\u00e4rliteratur, insbesondere die \u00fcbrigen saarl\u00e4ndischen Familienb\u00fcchern und das Buch von Johannes Naumann, Die Herren von Hagen zur Motten, auf Lebacher Betreffe hin ausgewertet und eingearbeitet. Die familienkundlichen Beitr\u00e4ge in den Lebacher Historischen Kalendern wurden ebenfalls einbezogen, leider ohne die Autoren zu benennen. Man bekommt also durch die beiden B\u00e4nde des neuen Werkes ein gro\u00dfes und n\u00fctzliches Kompendium der Lebacher Familien f\u00fcr die Zeit der Kirchenb\u00fccher. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die gro\u00dfe Schw\u00e4che der neuen B\u00fccher zeigt sich, sobald man versucht, in die Zeit vor den Kirchenb\u00fcchern, also vor 1703, vorzudringen. Durch die Beschr\u00e4nkung auf die Sekund\u00e4rliteratur, vor allem aber durch den Verzicht darauf, die insbesondere bei Naumann zahlreich zitierten Originalquellen aus dem Archiv der Freiherren von Hagen zu \u00fcberpr\u00fcfen, bieten die B\u00fccher f\u00fcr das 17. Jahrhundert gegen\u00fcber Storb keine Verbesserung. So f\u00fchren Fehler bei Naumann oder in anderen Familienb\u00fcchern zu widerspr\u00fcchlichen oder gar falschen Angaben im neuen Werk.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Widerspr\u00fcchlich sind zum Beispiel die Angaben zu Johannes Schmidt aus Jabach (Nr. 1061). Seine Frau Gertrud wird hier als Tochter des Peter Neu und einer Maria Knobe (Nr. 856) angegeben. Zugleich werden unter Hans Jakob Bauer aus Jabach (Nr. 41) Akten aus dem Landesarchiv Saarbr\u00fccken zitiert, in denen von dessen Tochtermann Hans Schmitt die Rede ist . Beide Male handelt es sich um die gleiche Person. Die Autorin kl\u00e4rt den Widerspruch leider nicht auf. Das Gleiche ist bei Peter Puhl vom Hahn zu beobachten (Nr. 893). In den Anmerkungen werden als seine Eltern Michael Puhl und Margaretha Sattler genannt. Daneben wird aber auch Johannes Naumann, Die Freiherren von Hagen zur Motten S. 427, zitiert, der unter Verweis auf die Akten des Bestandes Schloss M\u00fcnchweiler im Landesarchiv angibt, dass Peter Puhl der Sohn des Johannes Puhl vom Hahn sei. Welche der beiden Aussagen stimmt? Auch hier begr\u00fcndet die Autorin ihre Entscheidung f\u00fcr die Eltern aus Buprich nicht. Die Familie des Peter Puhl ist \u00fcbrigens in zwei Urkunden im genannten Bestand Schloss M\u00fcnchweiler dargestellt. Er selbst starb vor dem 03.10.1735 auf dem Hahn. Seine erste Frau hie\u00df danach nicht Anna Katharina Gross, sondern Anna Jacobs und sie stammte vom Hahn .<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Beispiel daf\u00fcr, dass die Autorin die Originalquellen nicht gepr\u00fcft hat, ist Kaspar Sch\u00e4fer (Nr. 972.4). Wie aus der Anmerkung zu seiner Person hervorgeht, haben ihm die Herren von Hagen die untere Herrenwiese in der Merzenbach bei Lebach verpf\u00e4ndet. H\u00e4tte man sich die bei J. Naumann zitierte Quelle angeschaut, so h\u00e4tte man auf der R\u00fcckseite des Dokumentes entdeckt, dass 1707 der Lebacher Hochgerichtsmeier Claudius Warcken die R\u00fcckzahlung des Darlehens quittiert . Daraus ergibt sich, dass er der Schwiegersohn des Caspar Sch\u00e4fer ist. Dieser wird zwischen 1659 und 1684 in R\u00fcmmelbach genannt. Statt als Sohn ist er eher als Bruder des Hans Sch\u00e4fer anzusehen. Das legt eine Notiz des St. Wendeler Amtmanns Dhame nahe. Er vermerkt bei der Geb\u00fchren\u00fcbersicht zur Hochgerichtssitzung von 1666 \u201eCaspar Sch\u00e4fer und Sch\u00e4ffer Petgens Hans von Rimmelbach zu theilen\u201c .<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Beispiel f\u00fcr eine skurrile Interpretation der Angaben bei Johannes Naumann ist die angebliche Ehe eines J\u00e4ckel Klein und einer Elisabeth Schreiner (Nr. 625). Diese Ehe hat es nicht gegeben, die angeblichen Ehepartner sind willk\u00fcrlich zusammengestellt, ihre Familiennamen frei erfunden. Richtig ist, dass Johann Adam von Hagen 1652 eine Liste der steuerpflichtigen Vogteiinhaber der Herrschaft Motten erstellte. F\u00fcr den Hahn schrieb er unverbunden untereinander vier Vogteiinhaber auf: Johannes Schreiner, Eiden Mathes, J\u00e4ckel, Els, klein Elsen Tochter. Johannes Naumann \u00fcbernahm diese Auflistung, unterlie\u00df aber den Hinweis auf klein Elsen Tochter und verband die beiden letzten Namen mit einem \u201eund\u201c . Aus dieser Angabe bei Naumann schloss die Autorin offensichtlich auf eine famili\u00e4re Verbindung. J\u00e4ckel vom Hahn wird jedoch als Nikolaus Jakob zwischen 1652 und 1673 auf dem Hahn erw\u00e4hnt. Er bewohnte den Alt-Michels-Stock und ist vermutlich der Schwiegervater des oben genannten Peter Puhl. Klein Els dagegen bewohnte den Velten Stock auf dem Hahn. Dort stirbt sie 1704. Ihr Schwiegersohn ist Michel Schreiner, der Sohn aus der ersten Ehe des Theobald Schreiner .<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ein Beispiel f\u00fcr eine falsche Zuordnung ist Jakob Schreiner aus H\u00fcttigweiler als Sohn des Theobald Schreiner (1194.3). Zu den Kindern des Theobald Schreiner findet sich in den Akten des Bestandes Schloss M\u00fcnchweiler eine genealogische \u00dcbersicht von 1730:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">\u201eTheobaldt Schreiner hat gehabt seine erstere Frau genannt &#8230;&#8230; undt mit selbiger gezeugt 3 Kinder. Sodann mit der letzten Frauen Magdalena hat gezeugt 4 Kinder\u2026 <\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Dieses seyndt die drey Kinder erster Ehe:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Michel Schreiner zum Hahn im Schumachers Haus.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Gerth Schreiner heyrat Joh. Sch\u00e4ffer zu Lebach.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">K\u00e4th Schreinerin heyrath Adam Graffen zu Lebach.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dies seyndt die vier Kinder zweiter Ehe:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Peter Schreiner, gewesener Meyer zum Hahn.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Hanns Adam Schreiner, zog in Ungarn.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Magdalena heyrath Wilhelm M\u00fcller, Hirthen von P\u00fcttlingen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Anna C\u00e4th heyrat Mathes Schneider zu Gresaubach.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Obigen Peters Schreiner, des Meyers, Tochter Johannetta heyrath Michel M\u00fcller undt besitzt das Haus gleich ihr Vatter gethan hat.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Jakob Schreiner aus H\u00fcttigweiler kann damit nicht auf Theobald Schreiner vom Hahn zur\u00fcckgef\u00fchrt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dass eine Katharina Paul (1193) die Mutter des Theobald Schreiner gewesen sein soll, ist eine reine Erfindung der Autorin. Der Name einer Ehefrau des Johann Schreiner taucht in den Archivunterlagen des 17. Jahrhunderts in keinem Dokument auf. Ebenso sind Franz Gross und Barbara Wagner als Eltern des kurtrierischen Meiers Johann Nikolaus Gross in Niedersaubach (411) eine nicht belegte Vermutung. Seine Vorfahren ergeben sich aus einer eigenh\u00e4ndigen Bescheinigung des Hans Nickel Gro\u00df von 1701. Darin gibt er an, dass er neben dem Schafft f\u00fcr das eigene Haus noch Abgaben zahlt f\u00fcr das Haus des Sch\u00e4fer Thiel und das Haus des Hachen Nickel. Sch\u00e4fer Thiel bewirtschaftete eine hagische Vogtei in Niedersaubach. Kurz vor seinem Tod nahm er 1614 eine G\u00fcterverschreibung zugunsten seiner Kinder Peter, der im Haus wohnte, und Otilia vor. Otilia war mit Peter Gross verheiratet, der aus Lisdorf stammte und vor 1609 ein Haus in Niedersaubach \u00fcbernommen hatte . Hier wird er bis 1627 genannt . Hachen Nickel wird zwischen 1600 und 1627 als kurtrierischer Meier in Niedersaubach erw\u00e4hnt. Sein Nachfolger im Meieramt ist Nikolaus Gross. Er wird zwischen 1659 und 1672 auch als Hochgerichtsmeier in Lebach genannt . Das Amt des trierischen Meiers wird im Haus der Familie Gross von Generation zu Generation weitergegeben bis zur Franz\u00f6sischen Revolution.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die genannten Beispiele lassen sich leider fast nach Belieben weiter fortsetzen. Insgesamt hinterl\u00e4sst das neue Einwohnerbuch Lebach damit einen zwiesp\u00e4ltigen Eindruck. F\u00fcr die Zeit der Kirchenb\u00fccher hat die Autorin eine F\u00fclle an Informationen aus einer Vielzahl von Familienb\u00fcchern zusammengetragen und verarbeitet. F\u00fcr die Zeit vor 1700 hat sie offensichtlich Quellen benutzt, die nur als spekulativ bezeichnet werden k\u00f6nnen. Diese Quellen hat sie leider nicht zitiert. Familienforscher, die ihre Spitzenahnen in Lebach suchen, k\u00f6nnen auf die Angaben in diesem Buch nicht vertrauen. Ihnen bleibt nur der Rat, der f\u00fcr die Familienforschung insgesamt gilt: Grunds\u00e4tzlich sollte man alle Angaben in den Originalen selbst \u00fcberpr\u00fcfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Klaus Feld, Landsweiler<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/hv-lebach.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Lebacher-Familienbuecher_Buchbesprechung-von-Klaus-Feld_15112015.pdf\" target=\"_blank\">Lebacher-Familienbuecher_Buchbesprechung-von-Klaus-Feld_15112015<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inge Riedel. Die Einwohner von Lebach vor 1815. Saarlouis 2015 Mit seinem Buch \u201eFamilien in der katholischen Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und St. Marien Lebach 1703 1797\u201c hatte Gerhard Storb 1986 Pionierarbeit in der Familienforschung geleistet. 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