125 Jahre katholische Pfarrkirche Lebach

Johannes Naumann (Thalexweiler) ordnete anlässlich eines Festvortrages in der Lebacher Pfarrkirche am 26. September 2008 die Baugeschichte unserer Pfarrkirche ein.

125 Jahre Katholische Pfarrkirche Lebach

Hier die Grundzüge der Einordnung:

 

Die katholische Pfarrkirche

Allerheiligste Dreifaltigkeit und Marien

 

 

Die katholische Kirchengemeinde in Lebach „Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien“ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Um 950 wurde die Lebacher Pfarrei erstmals im Verzeichnis der Pfarreien, die nach Mettlach wallfahrten, genannt.

Um 1739 wurden wertvolle Messgeräte angeschafft. Gegen 1770 wurde das Kirchenschiff erneuert und das heutige Pfarrhaus als spätbarockes Palais erbaut. 1829 ließ Pfarrer Gellert eine Sakristei an die Kirche anbauen. 1869 wurde Lebach mit 16 Pfarreien zum Dekanat erklärt.

Architektonisch gesehen stellt die Lebacher Pfarrkirche eine neogotische Stufenhalle mit weiten Rundpfeilerarkaden dar.

Die Neogotik ist ein Kunst- und Architekturstil des 19. Jahrhunderts. Sie ist eine der frühesten Spielarten des Historismus, der auf verschiedene Stile der vergangenen zwei Jahrtausende zurückgriff. Im Mittelpunkt der Verbreitung der Neogotik stand ein umfassendes Bau- und Einrichtungsprogramm, das bis in die Literatur und den Lebensstil Einzug hielt. Die Formensprache der Neogotik orientierte sich an einem idealisierten Mittelalterbild. Ihre Blüte hatte sie in der Zeit von 1830 bis 1900.

Um an die Freiheit und Geisteskultur der mittelalterlichen Städte anzuknüpfen, errichtete man in neogotischem Stil vor allem Kirchen, Parlamente, Rathäuser und Universitäten, aber auch andere öffentliche Bauten wie Postämter, Schulen oder Bahnhöfe.

Für die Innenausstattung, insbesondere Altäre und Kanzeln der neuen und purifizierten Kirchen schuf man aufwändig geschnitzte Werke, die sich an die Elemente der Architektur anlehnen, aber ohne Vorbild waren. Diese Werke nannte man später abwertend Schreinergotik. Die Glasmalerei erlebte ebenfalls eine neue Blüte, allerdings sind die neuen Werke realistischer und naturalistischer als die historischen Vorbilder. Viele derartige Ausstattungsgegenstände der Kirchen sind ab 1960 aus Missachtung für die nachgemachten Stile wieder entfernt und zerstört worden.

Die Kirche in Lebach wurde von 1881 bis 1883 nach Plänen des Architekten Carl Friedrich Müller, Saarlouis-Fraulautern, gebaut. Die Schäden des Zweiten Weltkriegs behob man umgehend. Dabei wurde das Glockengeschoss stilfremd in Beton erneuert und versucht, den oktogonalen Spitzhelm in Anlehnung an das Original zu gestalten.

Die dreischiffige, vierjochige Stufenhalle, ohne Querschiff, mit eingezogenem Chor, Chorjoch und dreiseitigem Polygonschluss wurde in neogotischem Stil gebaut. Der querrechteckige, erst im Freigeschoss ins Quadrat überführte Turm steht vor dem Mittelschiff. Das vierbahnige Maßwerkfenster über dem Hauptportal nimmt dessen stark profiliertes Gewände auf. Weitere Maßwerkzier bereichert den oberen Teil der Turmfront, der auch durch die mehrfach abgetreppten Strebepfeiler, Giebelfelder und Strebebogen einen typisch „gotischen“ Charakter erhält. Strebepfeiler und Maßwerkfenster gliedern auch die Schiffs- und Chorwände. Mit wenigen, nur leicht variierenden Gestaltungselementen erhält die aus dunkelroten Sandsteinen steinsichtig belassene Stadtkirche ein angemessenes, eindrucksvoll stattliches Aussehen.

Innen öffnen sich übersichtlich weit gespannte Spitzbogenarkaden auf schlanken Rundpfeilern zu den Seitenschiffen. Blatt- und Knospen geschmückte Kämpferzonen mit oktogonaler Deckplatte nehmen die breiten Gurt- und Scheidbogen sowie die dünneren Rippen der vierteiligen Kreuzgewölbe auf. Dünne Runddienste tragen an den Seiten die Rippen. Den annähernd quadratischen Mittelschiffsjochen entsprechen längsrechteckige Seitenjoche. Das Mittelschiff wird auf diese Weise betont. Die Raumanlage, die Gestaltung des Gewölbes und nicht zuletzt die Bestuhlung, welche die Mittelachse zum Weg werden lässt, stehen durch ihre Ausrichtung in engem Bezug zum Chor, der das Allerheiligste des Gotteshauses birgt. Der Chorraum, nur durch einen schmalen Triumphbogen abgesetzt, öffnet sich fast in ganzer Breite zum Mittelschiff.

Lebach, 26. September 2008

Johannes Naumann, Thalexweiler

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