Kalenderwanderung 2008

vermittelte tiefe Eindrücke

von der Geschichte unserer Vorfahren

 

Am vorletzten Samstag hatte der Historische Verein Lebach HVL zu einer „Kalenderwanderung“ geladen. Ca. 25 interessierte Lebacherinnen und Lebacher waren der Einladung gefolgt.

Was ist nun unter einer Kalenderwanderung zu verstehen? Der Vorstand des HVL hatte die Idee, die Denkmäler und Kunstgegenstände, welche im Historischen Kalender 2008 vorgestellt sind, zu „erwandern“. Vor Ort sollten uns die Autoren des Kalenders die jeweiligen Objekte zeigen und erklären.

Und das war wirklich eine ganz tolle Sache! Die eigene Geschichte hautnah vorgestellt zu bekommen, war nicht nur „eine Sache des Kopfes“; unsere Lebacher Geschichte wurde sinnlich erfahrbar.

Kalenderwanderung 2008

Wir starteten in der Lebacher Pfarrkirche, wo uns Pastor Müller und unser Vorsitzender, Richard Wagner, begrüßten. Die katholische Kirche in der uns jetzt bekannten Gestalt wurde 1883 errichtet; kürzlich beging man die 125 Jahre ihres Bestehens. Benno Müller brachte uns die sakralen Gebrauchsgegenstände, Albert Wagner die Kirche selber, Josef Heinrich den Taufstein und die hagenschen Grabplatten sowie Egon Groß das Pfarrhaus näher. Geschichte wurde dabei dadurch lebendig, dass es zu allen Objekten richtig spannende Geschichten zu erzählen gab. Eine Kostprobe: Der Hals des Messkelches ist deshalb leicht verbogen, weil er praktisch im letzten Moment (und dabei war er wohl hingefallen), als die französischen Revolutionstruppen 1793 in Lebach einrückten und schon an der Kirchenpforte rüttelten, vor dem Zugriff der plündernden Soldaten gerettet wurde.

Die Wanderung führte uns weiter den Klopp hinauf zur evangelischen Kirche, die 2007 100 Jahre bestanden hat. Im Namen des Presbyteriums empfing uns der Kirchmeister, Andreas Storb. Er hatte die Abendmahlgeräte aufgestellt, welche der evangelischen Gemeinde zur Eröffnung des Kirchenneubaus 1887 von Nürnberger Glaubensbrüdern und -schwestern geschenkt wurden. Ein Rundgang durch das Dietrich-Bonhoeffer-Haus rundete den Besuch ab; eindrucksvoll waren die Erinnerungstafeln, die an diesen evangelischen Pfarrer erinnerten, der im Dritten Reich wegen seines mutigen Eintretens für die Opfer des Nationalsozialismus hingerichtet wurde.

Die nächste Adresse war unser Friedhof. Albert Wagner erläuterte seine Entstehungsgeschichte, die noch von der Spaltung von evangelischen und katholischen Christen geprägt war (Anfang des 19. Jahrhunderts wurde aus Platzmangel der Lebacher Kirchhof aufgelöst). Kürzlich erst konnte er in Erfahrung bringen (was bisher nicht bekannt war), dass unser Friedhofskreuz (das übrigens vom balidgen Einsturz bedroht ist) vom Lebacher Kriegerverein in Erinnerung an die gefallenen Lebacher Soldaten des deutsch-französischen Krieges 1870/ 1871 und des preußisch-österreichischen Krieges 1866 gestiftet wurde. Daneben befinden sich die Priester-Ehrengräber, deren erbärmlicher Zustand nicht mehr vermitteln kann, welche vornehme Rolle die dort begrabenen Pastöre für das Lebacher Gemeinwesen einmal spielten.

Weiter ging es zum Hahn, wo uns die Familie Klaus gastlich empfing; sie hat das Anwesen „Meiersch-Haus“ gekauft und ist dabei, es liebevoll und aufwändig zu restaurieren. Alte Türstürze sind beredte Dokumente einer über den 30-jährigen Krieg hinaus weisenden Geschichte. Klaus Feld, der die „Hähninger“ Geschichte intensiv aufgearbeitet hat, durfte behaupten, dass dieses Haus wahrscheinlich das älteste nicht nur in Lebach, sondern im ganzen Saarland ist. Man muss wissen, dass der 30-jährige Krieg in unserer Gegend ganz furchtbar gewütet hatte; kein Stein war auf dem anderen geblieben; ca. 90 % der Bevölkerung in unserem Land waren bestialisch umgekommen. Er wusste auch herzuleiten, wer über die Generationen in diesem Meiersch-Haus (ein Meier war der Lebensmittel-Versorger hier: der Hagen-Dynastie in der Burg und später auf Schloss La Motte) gelebt hatte. Leider stand dieses Haus in den letzten 40 Jahren leer, sodass seine Bausubstanz erheblich angegriffen ist. Das macht es für das Sanierungsvorhaben der Familie Klaus natürlich überhaupt nicht leicht.

Den Abschluss bildete die Einkehr bei der Familie Groß in der Friedensstraße. Dort hatte Egon Groß noch einige bewundernswerte Stücke des Lebacher Kunsthandwerks ausgestellt: ein Ölgemälde des Laienmalers Franz Strässer, das Lebach kurz nach dem Krieg vom Broppert her zeigt, einen alter Opferstock sowie Rosen aus Eisen des Kunstschmiedes Josef Leutheuser, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Werkstatt in der Marktstraße/ Ecke Mottener Straße hatte, einen Abguss des Lebacher Propheten (vermutlich eine mittelalterliche Altarfigur, die im Saarland-Museum aufbewahrt wird) sowie eine beeindruckende Historienmalerei des prächtigen Schlosses La Motte, welche Klaus Altmeyer mitgebracht hatte.

Fazit: Eine anregungsreiche Kalenderwanderung, die wir – nach Vorgaben des Historischen Kalenders 2009 – im nächsten Herbst wiederholen wollen.

Übrigens: Der Historische Kalender 2009, der sich mit den 12 Kirchen der Stadt Lebach beschäftigt, erscheint in diesen Tagen. Er kostet 8 Euro und ist bei den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Und: Arbeiten Sie doch in unserem Verein mit! Wir können Ihre Hilfe gut gebrauchen.

Denn: Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt (Stefan Zweig)!

Lothar Schmidt

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