Flugzeugabsturz über Lebach

Am Nachmittag des 19. Novembers 1944 beobachtete Richard Hoffmann (damals 14 Jahre alt) den Flugzeugabsturz eines amerikanischen Jagdbombers, der am Ufer des Saubaches (dort, wo heute die Shell-Tankstelle „Schmitt“ steht) niederging. Der Pilot, Alvin Johnson, war bei einem Sturzangriff seines Verbandes mit seiner Thunderbolt P 47 auf deutsche Lkw, welche in der Tholeyer Straße fuhren, in einen Hochspannungsmast geraten und abgestürzt. Als Richard Hoffmann, der sofort an die Absturzstelle eilte, beim am Boden zerschellten JaBo eintraf, fand er den toten Piloten vor; er war noch angegurtet und hing vornübergebeugt in seinem Sitz. Zunächst wurde er auf dem Lebacher Friedhof beerdigt. Nach dem Krieg wurde er auf einen amerikanischen Sammelfriedhof in Luxemburg (Hamm) übergeführt.

Thunderbolt P 47, Foto: gemeinfrei laut Wikipedia

Diesen eindrucksvollen Bericht möchte ich zum Anlass nehmen, auf die Internetseite „Flugzeugabstürze im Saarland“ aufmerksam zu machen. Dort sind auch die weiteren Flugzeugangriffe und -abstürze über Lebach dokumentiert.

Der Bericht von Richard Hoffmann ist hier nachzulesen (einfach anklicken).

60 Jahre später fand ein  Landwirt die Bordwaffen am Ufer des Saubachs.

Bordwaffen der am 19.11.1945 abgestürzten Thunderbolt, gefunden 60 Jahre später am Saubach; Fotoarchiv: Egon Gross

Verschweigen darf man nicht, dass die Lebacher Zivilbevölkerung in jenen Tagen schrecklich unter den JaBo-Angriffen litt. Die Alten berichteten, dass die amerikanischen Flugzeuge gezielt Jagd auf unsere Leute, z.B. bei der Feldarbeit, machten. Meine Mutter (Jahrgang 1919) erzählte uns Kindern wieder und wieder, wie an dem Sonntag, als die Glocken der Pfarrkirche letztmalig zum Hochamt läuteten (sie wurden für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen), ein solcher Angriff über Lebach stattfand. Sie selber war gerade am Großen Door (Schützenberg, Saubacher Teil, Verbindungsweg zwischen Saubach und Lebach) unterwegs, als der Feuerzauber losging. Die Jabos suchten die Wege nach Fußgängern ab, um sie unter Beschuss zu nehmen. Meine Mutter klammerte sich in Todesangst an den Stamm eines Obstbaumes und überlebte in der Deckung des Laubes diese heimtückische Attacke, die sicherlich nicht durch die Genfer Konventionen gedeckt war und als Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung angesehen werden muss.

Lothar Schmidt

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